VirtualBox Erfahrungsbericht

Ich habe bereits seit mehreren Jahren virtuelle Systeme mit VirtualBox im Betrieb. Ich habe dazu auch mehrere Artikel geschrieben, wie man die virtuelle Festplatte nachträglich vergrößert, wie man einen Server mit virtuellen Systemen konfiguriert oder einfach wie man einen virtuellen Raspberry Pi erstellt. Es wird nun Zeit für einen ersten Erfahrungsbericht. Ist die Software für den professionellen Einsatz geeignet? Lohnt sich die Arbeit in einem virtuellen System?

VirtualBox Erfahrungsbericht

VirtualBox Erfahrungsbericht

In den letzten Jahren habe ich zahlreiche Systeme virtualisiert beziehungsweise neu als virtuelle Systeme angelegt. Es gab dafür verschiedenste Gründe:

Archivierung

Ein einmal mit VirtualBox eingerichtetes virtuelle System ist sehr langlebig. Ich habe vor einigen Jahren einige Systeme virtualisiert, quasi als Archivierung. Einmal lauffähig konfiguriert und dann meist für eine spätere Verwendung abgelegt. Darunter waren zum Beispiel Windows XP, Windows 7 Systeme. Jedes System hatte dabei eine spezielle Aufgabe. Einmal eher als Entwicklungssystem gedacht, dann wieder als Arbeitsplatz mit Office Programmen oder als Testumgebung bei der man schnell mal ein Programm aus dem Internet lädt und das probiert, ohne Angst davor zu haben durch einen Virus oder Trojaner den kompletten Arbeitsplatz zu zerstören.

Heute komme ich immer wieder einmal zu dem Punkt, an dem ich eine Datei in einem Dateiformat habe oder ein altes Programm unter Windows 10 zum Laufen bringen muss wo ich schnell auf diese archivierten Systeme zurückgreifen kann. Der ganze Konfigurationsaufwand ist nicht nötig, man muss auch keine neuen Programme installieren oder sich mit Treiberproblemen herumschlagen. Man kann recht schnell etwas testen. Gerade bei Entwicklungssystemen ist das toll, wenn man alte Browserversionen für die Webentwicklung verwenden oder schnell mal den C++ Code mit einer anderen IDE und einem anderen Compiler neu bauen kann. Dank der archivierten virtuelle Systeme kein Problem!

Die Archivierung von gut konfigurierten Systemen hat einen weiteren wesentlichen Vorteil. Es kommt in Firmen nicht selten vor, dass man ein über Jahre unverändertes laufende Programm plötzlich anpassen muss. Der frühere Entwickler ist nicht mehr da, es gibt keine Dokumentation und das System verwendet uralte Versionen von Bibliotheken von denen man kaum noch Tutorials findet. Als Webentwickler ist es grausam, wenn man beispielsweise auf PHP 4 entwickeln muss. Durch die virtuelle Maschine muss man sich zumindest um die Infrastruktur keine Gedanken machen.

Sicherheit

Gerade unter Windows Systemen ist mal schnell mal um die Sicherheit besorgt. Es gibt da ein verlockendes Programm gratis zum Download, dass zum Beispiel Youtube Videos als MP3 Datei ausspuckt. Bei diesen Programmen gilt aus Sicht des Admins: bloß nicht herunterladen. Man ließt ja immer wieder von Bitlocker Programmen die alle Daten auf der Festplatte verschlüsseln. Gerade durch Gratis Downloads fängt man sich gerne etwas ein, so verlockend das Angebot auch sein mag – egal mit der virtuellen Maschine verliert man im schlimmsten Fall den aktuellen stand und setzt diese wieder auf einen älteren Sicherungspunkt zurück.

Den Fall eines kaputten Systems hatte ich persönlich zwar noch nicht, wenn man aber die Aufgaben auf unterschiedliche Systeme aufteilt erhöht man massiv die Sicherheit. Beispielsweise würde ich in einem System ohne aktiven Schutz keine online Zahlungen tätigen. Für den Fall nehme ich meistens eine ganz frische virtuelle Maschine. Der Vorteil dadurch ist auch, dass die Onlinewerbung mich so auch nicht tracken kann. Mein Facebook Account läuft unter einem anderen Browser eines ganz anderen System als jenes über das Zahlungen getätigt werden. Für die Werbetreibenden bin ich so ein Fass ohne Boden 😉

Spielwiese

Ich arbeite unter der Woche im Beruf auf einem Linux Mint System. Dieses habe ich vor Jahren virtualisiert. Das System läuft schnell und stabil. Hin und wieder muss ich aber neue Programme oder wegen der Kompatibilität auch Bibliotheken installieren. Blöd wenn man da herumprobiert und im Fehlerfall am nächsten Tag ohne lauffähiges System in der Arbeit sitzt. Dank VirtualBox erstelle ich mir schnell mal einen Clon des Systems und ändere dort. Am beliebtesten sind da die Systemupgrades auf eine neue Version samt Kernel Update. Sollte alles passen arbeite ich dann einfach auf dem Klon weiter, falls es einen Fehler gibt habe ich immer noch das Ursprungssystem.

Mobilität

Auch ein ganz wichtiger Faktor ist die Mobilität von virtuellen Systemen. Man kann diese an andere Mitarbeiter weitergeben oder einfach von einem Laptop auf die Workstation kopieren. Egal welche Hardware man hat, das virtuelle System verhält sich immer gleich. Sollte mein Laptop kaputt werden oder wegen einem Service eingeschickt werden müssen kopiere ich mir das System einfach auf ein Ersatzgerät und komme fast ohne Ausfallzeit aus.

Der Ansatz ist übrigens genau der selbe, den auch mobile Systeme wie Android oder iOS verfolgen. Theoretisch braucht man dort ja auch nur den Speicher auf ein anderes Gerät kopieren.

Sicherungen

Viele Server laufen mehr oder weniger virtuell, ohne dass man dies als Kunde jemals bemerkt. Bei Hostern bekommt man VServer die entweder auf einem gemieteten Server liegen oder gar unspezifiziert in einer Cloud und sich dabei auch dynamisch verändern können (mehr CPU, mehr RAM, mehr Speicher). Virtuelle Systeme kann man super einfach sichern, man erstellt einfach einen inkrementellen Klon, einen so genannten Snapshot. Diesen kann man sehr schnell wiederherstellen und auch offline kopieren und zum Testen im eigenen Netzwerk verwenden. Bei virtuellen Arbeitsplätzen verhält es sich ähnlich. Eine Sicherung ist schnell als Klon angelegt, Snapshots dienen dazu Meilensteine zu setzen, wie zum Beispiel nach einem frisch konfigurierten System. Sichern und Zurücksetzen war dank VirtualBox und vergleichbarer Programme nie einfacher.

Nachteile

Es gibt auch einige Nachteile die mir im Laufe der Zeit aufgefallen sind. Auch diese soll mein VirtualBox Erfahrungsbericht zeigen:

  • Performance
    ein großer Kritikpunkt ist die Performance von virtuellen Systemen. In der Regel fällt das nicht ins Gewicht, mir fällt nur auf, dass trotz Verbesserungen der letzten Versionen die Zugriffsgeschwindigkeit auf die extern eingebundenen Festplatten deutlich langsamer ausfällt als wenn man dies über ein Host System durchführt. Gerade beim Durchsuchen von tausenden Dateien fällt das ins Gewicht.
  • fehlende Unterstützung
    ein oft versprochener und rudimentär umgesetzte Unterstützung ist jene von 3D Karten. Trotz Bemühungen ist es nicht möglich 3D Spiele mit einem virtuellen Windows zu spielen. Es gibt zwar einige Außnahmen, in der Regel jedoch funktioniert es nicht. Nichts wäre cooler als ein virutelles Spiele System…

Fazit

Mein VirtualBox Erfahrungsbereich zeigt ganz stark wie breit die Anwendungsgebiete von virtualisierten Systemen aufgestellt sind und wo die Vorteile liegen. Gerade im Server Bereich und in der Cloud machen diese Systeme gute Figur, da man diese meist Echtzeit ohne Ausfall umkonfigurieren kann. Die Flexibilität virtueller Systeme ist enorm, sei es die einfache Sicherung oder die gute Archivierung. Ich bin gespannt wie sich dieser Sektor in den nächsten Jahren entwickelt.

Was haltet ihr von virtualisierten Systemen? Habt ihr auch welche im Einsatz, wenn ja wo und warum?

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1 Antwort

  1. Michael sagt:

    VirtualBox ist für mich absolut lebenswichtig und ich setze diese Virtualisierungssoftware fast täglich ein. Natürlich gibt es auch andere gute VM-Hypervisors, aber Virtualbox besticht einfach durch seine zahlreichen Funktionen.

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